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Zeiteisen Ultimate Ausgabe Baselworld 2012 copy


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(Z) Zeiteisen Review: Grand Seiko Spring Drive GMT SBGE001

Zeiteisen Review: Grand Seiko Spring Drive GMT SBGE001 (zuletzt editiert am 2.6.2011)

(Bilder zum Testbericht in hoher Auflösung finden Sie hier..)

Grand_Seiko_Spring_Drive_SBGE001_03Grand_Seiko_Spring_Drive_SBGE001_02

Einleitung:

Grand Seiko, der Stachel im Fleisch der Schweizer Luxus-Uhrenindustrie


Es war im Jahr 1960, als sich Tsuneya Nakamura, der „Vater“ der legendären „Marvel“, das Ziel setzte, die ...(Originalton Seiko)...“Beste Uhr der Welt“ zu schaffen.......

Per Seiko-Definition bedeutete das (-bis heute-) eine Uhr, die mit maximaler Genauigkeit, maximaler Zuverlässigkeit und maximaler Alltagstauglichkeit den Träger erfreuen sollte.
Verpielte Details, oder anfällige Komplikationen wurden deshalb von der Planung ausgeschlossen.

Man konzentrierte sich daher auf klassisch entworfene Uhrgehäuse, mit bester Ablesbarkeit, höchstmöglicher Verarbeitungsgüte und Kaliberkonstruktionen, die den Ansprüchen an Zuverlässigkeit und Ganggenauigkeit genügten.

Wer die Mentalität Japanischer Entwickler kennt, kann sich vorstellen, dass die letzten Jahrzehnte seit Einführung dieser Spitzenlinie nicht ungenützt verstrichen, sondern zur Perfektionierung der notwendigen Technologien und des Designs genutzt wurden.

Eines der am höchsten entwickelten Endprodukte dieser Entwicklung ist die hier getestete Grand Seiko Spring Drive GMT SBGE001.

Grand_Seiko_SBGE001_1Grand_Seiko_SBGE001_5-1

Das Gehäuse:

Die 51 Jahre Perfektionierung merkt man in jedem Millimeter dieses ausserordentlich aufwändig gearbeiteten Gehäuses.

Im Gegensatz zu anderen Herstellern, die sich selbst ebenfalls diesen Anspruch (der „besten Uhr“) auferlegt haben, besteht die Perfektionierung nicht darin, „Altes“ zu konservieren, sondern Vorhandenes so weit als möglich den neuesten Erkenntnissen anzupassen, vor allem aber mit der bestmöglichen Technik auszustatten.

Ich habe bis dato noch keine „Alltags“-Uhr gesehen, die so perfekt- auch in kleinsten Details- ihrer Bestimmung (als zuverlässiger Begleiter in jeder Situation) angepasst wurde.

Das beginnt schon bei der grundsätzlichen Bauform des 43,5x14,7mm messenden Edelstahlgehäuses.
Von oben betrachtet wirkt es wie ein klassisches, eher sportlich orientiertes Uhrgehäuse.

Dieser relativ große Durchmesser, der der besseren Ablesbarkeit und Funktionalität- und nicht dem Modetrend- dient, würde „unbehandelt“ jedoch zu Komforteinbussen führen. Also verjüngten die Konstrukteure das Gehäuse zum Boden hin, wodurch sich in der Seitenansicht (bandseitig) eine konische Form ergibt.
Auf diese Weise kann die Hand problemlos abgewinkelt werden, ohne dass das Gehäuse in den Handrücken drückt.

Grand_Seiko_SBGE001_2Grand_Seiko_SBGE001_4

Der gleichen Zielsetzung dient die bei 4 Uhr (statt 3 Uhr) in das Gehäuse eingelassene, verschraubte Krone.
Von oben betrachtet, überragt sie das Gehäuse lediglich um etwa 1,5mm, was erstmal etwas ungewohnt aussieht- und entsprechende Einschränkung der Bedienbarkeit erwarten lässt.

Dreht man die Uhr jedoch um, so ist die Krone freistehend, das Gehäuse sogar zu den Hörnern hin „fingernagelförmig“ weiter ausgefräst, um einen optimalen Zugriff auf die Krone zu ermöglichen.

Hier werden auch erstmal die wirklichen Dimensionen der Krone offenbar, die mit einer Tiefe von etwa 4mm gar nicht so klein ist, wie zuerst angenommen.

Da die Uhr auch bis zu 20ATM druckfest (für eine Dresswatch eher ungewöhnlich)- und auch laut Bedienungsanleitung zum Tauchen geeignet, jedoch für das Geräte- und Sättigungstauchen nicht zertifiziert ist, wurde die Uhr auch mit einer Schraubkrone ausgestattet. Die effektiven, also wirksamen Dimensionen der Krone (-ohne Riffelung-) entsprechen jenen der Prospex-Tauchermodelle.

Die Bedienung ist einwandfrei, mit perfekten Rastungen.

So geschützt, kann die Uhr bedenkenlos, bei nahezu jeder Freizeitbeschäftigung, am Arm bleiben. Die Tubuskonstruktion ist identisch mit der des Tauchermodells der Grand Seiko Kollektion.

Einen kleinen Schönheitsfehler könnte man dennoch anmerken....denn in geöffentem Zustand ist die Krone nicht ganz spielfrei (etwa 0,2mm Spiel), was der flexiblen Aufzugswelle geschuldet ist.
Dadurch kann das Werk aber bei grober Misshandlung der Krone nicht so leicht beschädigt werden- und auch bei der Montage/Demontage beim Service stellt eine flexible Welle eine Erleichterung dar.

Dies fällt überhaupt nur deshalb auf, weil alle anderen Elemente der Uhr beinah schon gespenstisch präzise ausgeführt sind.

Die Gehäuseflanken sowie die Unterseite sind spiegelpoliert.
Nicht etwa geldbeutelschonend maschinell, sondern in der althergebrachten „Zaratsu-Technik“, einer traditionell japanischen, zeitraubenden Handpolitur.

Grand_Seiko_SBGE001_SpringDrive_27Grand_Seiko_SBGE001_SpringDrive_19

Der dabei erreichte Glanz und die Güte der Kantenzüge ist atemberaubend.

Kontrastierend dazu sind die Hörner auf etwa 2/3 der Oberfläche längs gebürstet.

Grand_Seiko_Spring_Drive_SBGE001_04

Diese Abwechslung von Politur und sehr fein gebürsteten Oberflächen nimmt die Bearbeitung des Armbandes vorweg, das diese Techniken weiterführt.

Der flache Vollgewindeboden mit zusätzlicher Riffelung, wird zentral von einem wunderschön herausgearbeiteten Löwenrelief, dem Markenzeichen der Grand Seiko Linie, und dem „Grand Seiko“ Schriftzug, geschmückt. Beide sind perfekt aus dem Stahl gefräst- und nicht einfach geprägt.

Grand_Seiko_SBGE001_SpringDrive_28-1

Auch die sonstigen (sehr feinen) Beschriftungen, wie Angaben zur Seriennummer, Druckfestigkeit, Magnetfeldschutz sind graviert.

Grand_Seiko_SBGE001_7

Das Zifferblatt wird von einem in mehreren Radien geschliffenen, minimal bombierten, farblos entspiegelten „High Definition“-Saphirglas überspannt.

Es findet sich hier also die aufwändigste Form, die ein Uhrglas haben kann...nämlich ein in mehreren Krümmungsradien (beidseitig) geschliffenes Glas (vergleichbar mit der Form von Plexigläsern).
Grand_Seiko_Spring_Drive_SBGE001_09


Mit dieser kostspieligen Schleif- und Poliertechnik ist es Seiko gelungen, die optischen Nachteile von Saphirglas nahezu vollständig zu eliminieren.

Erzeugen (formal) ähnliche Gläser anderer Hersteller eine Art „milchigen“ Rand, der die Ablesbarkeit von Rehaut oder Minuterie, jedenfalls aber den optischen Eindruck beeinträchtigt, gibt es das bei diesem Glas nicht.

Das Glas selbst ist von einem spiegelpolierten Ring umgeben, der es optisch (je nach Lichteinfall) entweder mit der mit Saphirglas ausgelegten Lünette vereint, oder von dieser abhebt.
So ergbibt sich bei jeder Handbewegung ein anderer Eindruck der Uhr (was den Fotografen verzweifeln lässt), aber für große Freude beim Betrachter sorgt.

Grand_Seiko_SBGE001_SpringDrive_29Grand_Seiko_SBGE001_SpringDrive_14

Die Lünette, die aus einem aussen geriffelten (ebenfalls konisch verlaufenden) Stahlchassis mit einer Einlage aus Saphirglas besteht, weist eine 24-Stunden-Beschriftung auf.
Alle geraden Zahlen sind ausgeschrieben, die ungeraden als Punkt markiert.

Die Beschriftung selbst ist mit weißer, blaugrün schimmernder, Leuchtmasse ausgeführt.

Die seidenweiche, aber sehr satte, Rastung und der spielfreie Lauf der Lünette sind beeindruckend.
Übertragen auf die 24-Stunden-Anzeige erfolgt die Rastung in 20-Minuten-Schritten. So können auch ausgefallenere Zeitzonen dargestellt werden.

Zifferblatt/Zeiger:

Das Zifferblatt und die Zeiger sind die qualitativ überzeugende Fortsetzung der äusseren Hülle.

Grand_Seiko_SBGE001_SpringDrive_20

Als eines der wenigen Modelle der Seiko GS-Linie werden hier nicht die typischen Bambusblatt-Zeiger verbaut, sondern eher modern wirkende, rundum facettierte Zeiger.

Die Oberseite der (Stunden- und Minuten-) Zeiger ist längs gebürstet, die rasierklingenartig geschliffenen Kanten, einschließlich der abgeschrängten Spitze, spiegelpoliert.
So soll eine maximale Sichtbarkeit bei geringstem Lichteinfall, egal aus welchem Winkel, gewährleistet werden. Hinzu kommt, dass diese Art der Oberflächenbearbeitung verhindert, dass in bestimmten Winkeln die Zeiger schwarz erscheinen, wie das bei vielen anderen polierten Stahlzeigern der Fall ist.

Zusätzlich sind diese Zeiger mit langanhaltender, aber nicht all zu intensiver Leuchtmasse ausgelegt. Die Zeigerlängen sind optimal und erreichen exakt die Minuterie.

SBGE001 Lume

Überstreichen die Zeiger alle 5 Minuten die jeweiligen Indizes, verschmelzen sie optisch kurzfristig zu einer Einheit....ein schönes Schauspiel.

Der Sekundenzeiger ist vollständig spiegelpoliert, einschließlich des Gegengewichts.

Der GMT-Zeiger ist rot lackiert und an seiner Spitze mit Leuchtmasse ausgelegt.

Zu guter Letzt ist zwischen 8 und 9 Uhr noch die Gangreserveanzeige zu finden.

In einem Viertelkreis wird die Gangreserve in Tagesschritten angezeigt. Der kleine, mit einer Art Silbergranulat beschichtete, Zeiger überstreicht beim Ablaufen eine 3farbige (silber, grau, schwarz) Skala, entsprechend der Reserve. Die sehr dezenten Farbmarkierungen sind durch massive, versilberte Stabindizes getrennt.

Das anthrazitfarbene, feinst mattierte (beinah samtige) Zifferblatt und das ebenso ausgeführte Rehaut bilden einen optimalen Kontrast zu Zeigern und Indizes.

Letzere sind größtenteils (alle 5 Minuten) als Stabindizes ausgeführt. Die Kanten sind rundum spiegelpoliert, die Oberseite mit feinen Querrillen bedeckt, die mit einer noch feineren Polierkante vom Rest abgesetzt sind. Die optische Wirkung entspricht der Zeiger. Gemeinsam entfachen sie bei Sonnenlicht ein wahres Feuerwerk.

Grand_Seiko_SBGE001_6

Bei 12, 3, 6 und 9 Uhr kommen Indizes in Form eines langgezogenen Trapezprismas zum Einsatz, in deren äusserem Drittel die Leuchtmasse in eine Aussparung eingelassen ist.

Bei der 12 ist zusätzlich am Rehaut noch ein Leuchtpunkt angebracht.
Zudem ist auch noch eine 24 Stunden-Saklierung am Rehaut angebracht.

Der Seiko-Schriftzug und das Logo „GS“ sind massiv, die restliche Beschriftung lackiert.

Bei der 4 ist noch das Datumsfenster, das den Blick auf eine weiße Datumsscheibe mit schwarzer Beschriftung freigibt.


So ausgestattet, lassen sich auf dem Zifferblatt bis zu 3 Zeitzonen gleichzeitig darstellen.

Eine praktische Einstellung sieht beispielsweise folgendermaßen aus:

Der 24 Stunden-Zeiger zeigt die Heimatzeit (auf der Rehautbeschriftung), der normale Stundenzeiger die aktuelle Ortszeit (was durch die unabhängige Verstellmöglichkeit jederzeit geändert werden kann) und die Lünette zeigt eine beliebige 3. Zeit.

So weiß man auch im Urlaub auf einen Blick, wie spät es zu Hause, oder beim Geschäftspartner in Übersee ist.

Die Kombination aus Rehautbeschriftung und drehbarer Lünette ist also eine sehr praktische Einrichtung bei Reisen oder für Banker, die beispielsweise die Zeit von Tokio und New York gleichzeitig auf einer Uhr ablesen wollen.


Das Uhrwerk:

Grand Seiko Spring Drive 9R65
(Bild copyright by Seiko)



Seiko Spring Drive Kaliber 9R66A.

Eine umfassende Darstellung und bebilderte Erläuterung der Funktionsweise des Mechanismus dieses ausserordentlichen Uhrwerks können Sie im
Kurzartikel „Seiko Spring Drive - die unverstandene Revolution“ nachlesen.

Entwicklungsziel war, ein mechanisches Werk zu schaffen, das alle bekannten mechanischen Uhren hinsichtlich Zuverlässigkeit, Verschleissarmut und Genauigkeit übertreffen sollte.
Besonders der Verschleissreduktion wurde ein großes Augenmerk gewidmet.

Zur Verschleissreduktion können unterschiedliche Wege beschritten werden, was diverse Hersteller auch machen.

Die einfachste Lösung ist eine Anpassung der Materialpaarungen.
Leider wurden in den letzten 100 Jahren schon nahezu alle Möglichkeiten durchgespielt- eine weitere Steigerung ist nur mit exorbitantem finanziellem Aufwand erreichbar.

Dass sich dazu auch andere Hersteller so ihre Gedanken machen beweisen die Forschungen vieler namhafter Hersteller.
Beispielhaft sind die Kombination von Siliziumbauteilen mit Diamantbeschichtung, Lagersteine aus Easium udgl. anzuführen.

Der optimalste Weg ist jedoch der, erst gar keine Reibung aufkommen zu lassen.
Dieser Gedankengang führte letztlich zur berührungs- und somit verschleissfreien Konstruktion des „Tri-Synchro-Regulationssystems“ (dessen Wirkungsweise Sie im o.a. Kurzartikel nachzulesen können).

Nebenbei konnten so auch noch die Temperaturanfälligkeit, Lageabhängigkeit und Schockanfälligkeit eliminiert werden.....also alle bekannten Probleme einer Ankerhemmung- und sich der Betrachter vom ruckelfreien Sekundenzeiger beeindrucken lassen.

Die Umsetzung des Gedankens bedurfte eines nicht ganz unerheblichen Entwicklungsaufwandes von 22 Jahren (genaugenommen von 1977 bis heute), und die Produktion von über 600 Prototypen......was in der Geschichte der Uhrenindustrie wohl beispiellos ist.

Für die Spulen musste eigens eine neue Wicklungstechnologie geschaffen werden, die es ermöglichte, einen 0,0015mm starken Draht in 25.000 Wicklungen in beschränktem Raum unterzubringen.

Zur Energiegewinnung mittels Dynamo wurde auf die Erfahrungen mit den Kinetic-Werken zurückgegriffen, jedoch musste die mechanische Komponente berücksichtigt werden, was bedeutete, dass lediglich 8 Umdrehungen pro Sekunde (vs. bis zu 1700 Up/s in der Kinetic) den Strom liefern mussten.

Die notwendige Energie konnte von 3000 Nanowatt zu Beginn auf 25 Nanowatt reduziert werden.


Ein wesentlicher Unterschied zwischen europäischen und japanischen Produkten besteht (abseits technischer Unterschiede) vor allem in der Finissage.

Das Verständnis ist ein grundlegend anderes- speziell bei den Grand Seiko Modellen.
Hier wird unter „Finissage“ vor allem die technische Optimierung von Werkteilen verstanden- und nicht eine optische, wie in Europa.

Die Dekoration beschränkt sich daher auf das Wesentlichste, wie Tokioter Streifenschliff auf Brücken, polierte Kanten und Schrauben udgl.
So hat das Werk eher die Anmutung eines technischen Ausstellungsstückes, weniger die eines Kunstwerkes. Die traditionell europäische Finissage der Werke findet sich in erster Linie bei den 7R-Kalibern in den Seiko Credor Modellen.

Ganz anders sieht es aber bei der technischen Finissage aus, die auf die Spitze getrieben wird.
Sämtliche Lagerstellen sind spiegelpoliert, ebenso die Triebe und Zahnflanken.
Die metallenen Lagerflächen werden einzeln, in Handarbeit mit Naturmaterialien (vermutlich Bambus oder Enzian) auf eine unübertreffliche Glätte feinstpoliert.
Dies unterstützt den nahezu reibungslosen (und damit verschleissfreien) Lauf dieses Uhrwerks.

Grand Seiko Springdrive Politur 3Grand Seiko Springdrive Politur 1Grand Seiko Springdrive Politur 2
(Politur der Lagerstellen, Vergleich vorher/nachher, Bilder copyright by Seiko)


Wie im o.a. Kurzartikel zu lesen ist, unterscheidet sich dieses automatische, mechanische Uhrwerk durch das Fehlen einer Ankerhemmung von europäischen Konstruktionen. Deren Funktion übernimmt eine elektronisch gesteuerte, elektromagnetische (berührungs- und verschleissfreie) Bremse.

Dennoch handelt es sich um ein echtes mechanisches Werk. Der Anteil an Elektronik beschränkt sich auf 4 Bauteile (von 286).

Von all dem sieht der Besitzer durch den Stahlboden zwar nichts- spätestens bei der peniblen Einstellung der Zeit und der Zeiger zueinander erhält man den sichtbaren Lohn dieser Konstruktion.

Kein mir bekanntes mechanisches Uhrwerk bietet einen vergleichbar konstanten Ablauf der Zeiger zueinander (womit gemeint ist, dass beispielsweise nach 30 Sekunden der Minutenzeiger exakt zwischen den Markierungen stehen muss, egal auf welchem Bereich des Zifferblattes er sich befindet).

Solche Kleinigkeiten sind zwar im Alltag egal, für den technisch Interessierten ist das aber ein klarer Kritikpunkt, oder sorgt wie hier für ein entsprechendes „Aha-Erlebnis“.

Denn der selbst auferlegte Anspruch Seikos „die beste Uhr“ zu bauen, bedingt auch solch kompromisslose Kleinigkeiten.

Gerade ein so unwahrscheinlich präzise laufendes Uhrwerk (innerhalb eines Monats konnte keine Abweichung festgestellt werden), mit seinen exklusiv ruckelfrei laufenden Zeigern, verführt wieder einmal dazu, ganz akribisch den Lauf zu beobachten, das Verstreichen der Zeit am Zifferblatt zu genießen.

Die ALLTAGS-Genauigkeit selbst ist vergleichbar (so auch die Aussagen von Seiko) mit den HighEnd-Quarzmodellen.
Da die Quarze jedoch NICHT thermokompensiert sind kann es zu größeren Abweichungen als bei den 9F-Kalibern kommen, die aber jedenfalls INNERHALB der Toleranz (+/-15/Monat) liegen.

Diese ausserordentlich geringen Maximalabweichungen werden von Seiko in einem Temperaturfenster von 5 bis 35 Grad Umgebungstemperatur garantiert. Der Einsatzbereich liegt zwischen -10 und +60 Grad.

Es kommen nur die besten, speziell geschliffenen, Quarzkristalle zum Einsatz.

Entwicklungsziel war nicht, einen mechanischen Ersatz für eine Funkuhr zu schaffen, sondern eine hochpräzise Mechanikuhr, deren Genauigkeit JEDE Uhr mit Ankerhemmung übertreffen sollte.



Diese nahtlose Integration der Elektronik, die diese umwerfenden Eigenschaften erst ermöglicht, ist für den Mechanikfan ein Grund mehr für die Liebe zu diesem Werk.
Denn endlich wurde es geschafft, eine nahezu verschleissfreie Mechanik mit geringstmöglichen Toleranzen und nahezu unlimitierter Haltbarkeit zu bauen.

Das einzige mechanische Bauteil, das eine ähnlich „geringe“ Lebensdauer wie in einer herkömmlichen Automatikuhr hat, ist das Rotorlager. Aber auch dieses wurde sehr massiv - aber leider nicht wartungsfrei- ausgeführt (Stahlkugellager).

Deshalb werden seitens Seiko auch -wie bei den herkömmlichen Modellen- Wartungsintervalle von 3 bis 4 Jahren vorgeschlagen.
Untersuchungen an Prototypen und Serienmodellen (die mittlerweile seit 1999 im Handel sind) haben aber praktisch keine Verschleissspuren gezeigt. Die Empfehlung von Seiko hat daher eher den Charakter einer Vorsorgeuntersuchung.

Abgesehen von der elitären Spring Drive - Technik bietet das Werk eine Gangreserve von 72 Stunden (die in 2 bis 3 Stunden Tragezeit erreicht werden), Sekundenstopp, Handaufzug, unabhängige Schnellverstellung des Stundenzeigers, also alles, was den Umgang erleichtert.

Alles in Allem ein technischer Traum.


Das Band:

Das Gliederband entspricht in seiner Beschaffenheit und Ausführung dem Rest der Uhr. Verschraubte Vollmetallglieder, feinst gebürstet, an den Flanken spiegelpoliert, ergeben ein hervorragendes Ensemble. Die relativ dünnen Glieder (etwa 2mm) sind an den Kanten wunderbar abgerundet und weisen serienmäßig genau jenen Spielraum zueinander auf, den ein gut eingetragenes Band nach einigen Monaten üblicherweise aufweist.
Grand_Seiko_SBGE001_SpringDrive_10Grand_Seiko_SBGE001_SpringDrive_25Grand_Seiko_SBGE001_SpringDrive_26
Die sehr schlanke, aber trotzdem massive Faltschließe ist schön gearbeitet und mit dem GS-Logo versehen.

Als einziger Kritikpunkt ist die fehlende Feineinstellung auszumachen.


Fazit:

Unerwartet schnell, aber nicht ganz überraschend, hat sich das erste Modell die Auszeichnung „Zeiteisen Masterpiece“ redlich verdient.

Es gibt wohl keine andere Uhr, die der mysteriösen „Exitwatch“ am nächsten kommt.
Das Einsatzspektrum ist immens. Von der Oper auf den Badestrand, vom Surfbrett ins Büro, weiter zur Galaveranstaltung....mit dieser Uhr sind sie überall richtig angezogen.

Die Qualität der Grand Seiko-Linie ist weltweit unter Uhrenkennern legendär. Und das Testmodell wird ebenso seinen Teil zur Legendenbildung beitragen.

Die Uhr schafft mit ihrer Verarbeitungsqualität, der Güte des Uhrwerks und der Laufeigenschaften ein neues Qualitätslevel- und das nicht nur in der angestammten Preisklasse bis 10.000,- Euro.

Will man eine ähnlich verarbeitete Uhr eines europäischen Herstellers, muss man s e h r tief in die Tasche greifen- ohne dabei die revolutionäre, Maßstäbe setzende, Spring Drive Technologie zu erhalten.

Lediglich die fehlende Feineinstellung des Bandes verhindert die Ausschöpfung des Punktemaximums.

Mehr braucht man dazu eigentlich nicht mehr zu sagen.....ausser vielleicht, dass Seiko seinem Anspruch in jeder Hinsicht gerecht wird.


Zeiteisen Wertung:


Preis/Leistung: +++++++
Uhrwerk: +++++++
Gangergebnisse: +++++++
Gehäuse: +++++++
Band: +++++

Summe: 33 Punkte (absolute Spitze)

Die Uhr erhält sowohl das Zeiteisen Gütesiegel, als auch die „Zeiteisen Masterpiece“ Auszeichnung.

Zeiteisen Masterpiece




An dieser Stelle möchte ich mich noch bei Seiko Österreich und Seiko Deutschland für die umfangreiche Unterstützung mit Infomaterial und Vermittlung mit der Technik-Abteilung von Seiko Japan zur Abklärung diverser technischer Fragen bedanken.