(H) Die Uhrmacherkunst von der Antike in die Neuzeit
Die Uhrmacherkunst von der Antike in die Neuzeit
(zur Verfügung gestellt von Omega)
Zeitmessung in der Antike und im Mittelalter
Die Länge des von der Sonne geworfenen Schattens war für die Menschen der Vorzeit und der Antike das einfachste und das in allen Kulturen genutzte Maß der Zeit. Kunstvolle monumentale Sonnenuhren sind aus Ägypten, Israel, aus den Städten Griechenlands und dem Römischen Reich bekannt. Mitte des 15. Jahrhunderts führte das verstärkte Interesse an astronomischen und geographischen Problemen zur Anfertigung genauerer und verfeinerter Sonnenuhren, die auch die geographische Breite des jeweiligen Ortes berücksichtigen. In Nürnberg und bald auch in Augsburg wurden seit dem Anfang des 16. Jahrhunderts kleine tragbare Sonnenuhren gebaut. Sonnenuhren aus Silber, Bronze und Elfenbein wurden bis in das 19. Jahrhundert gefertigt – mit ihnen überprüfte man die Ganggenauigkeit der Räderuhren.
Kulturen, deren ökonomische Grundlage die Bewässerungswirtschaft war, mussten Maßeinheiten für die Verteilung des Wassers entwickeln. Wohl auch aus dieser Notwendigkeit entstanden die frühesten Wasseruhren. In Ägypten, Mesopotamien und in China wurden einfache Zeitmesser gebaut, die die vergangene Zeit an der Menge des ausgelaufenen oder eingeflossenen Wassers angaben. Mindestens seit dem 4. Jh. v.Chr. waren ausgeklügelte, durch Wasserdruck angetriebene Automaten zur Zeitmessung bekannt. Wasseruhren waren in der gesamten hellenistischen und römischen Welt verbreitet.
Die Jüngste der einfachen Zeitmesser, die Sanduhr ist erst im 15. Jahrhundert entstanden. Ihre Entwicklung geht mit der Möglichkeit, durchsichtiges Glas zu erzeugen, einher. Nürnberg und bald darauf auch Venedig wurden Zentren dieses Kunsthandwerkes. Zwei meist birnenförmige, kleine Glasgefäße stehen mit ihren engen Mündungen gegeneinander. Die Einschnürung diente dabei geradezu als Hemmung, weil sie ein schnelles Durchlaufen des Sandes verhinderte. An einer Skala konnte die Zeit nach der Menge des eingelaufenen Sandes abgelesen werden. Ärzte benutzten sie, um den Puls zu messen und im späten 15. und 16. Jahrhundert war sie in jedem Haus zu finden.
In der Antike und im Mittelalter maß auch das Feuer die Zeit während der Nacht. Diese wurde anhand des verbrannten Wachses einer Kerze bestimmt. Metallkügelchen wurden in regelmäßigen Abständen in die Kerze gedrückt, beim Niederbrennen fielen sie dann in ein Metallbecken und zeigten so die Stunden an. Bis in das späte 19. Jahrhundert blieben Feueruhren, bei denen Fäden, schmale Tücher, Kerne und andere gleichmäßig brennende Stoffe in Brand gesetzt wurden, in China und Japan gebräuchlich. Als nächtlicher Zeitmesser diente vom 17. bis 19. Jahrhundert in Europa meist die Öluhr. An einer Skala am gläsernen Ölbehälter konnte entsprechend dem Absinken des Brennstoffes die vergangene Zeit recht zuverlässig abgelesen werden.
Die Entwicklung der modernen Zeitmessung
Im hohen Mittelalter setzte die Entwicklung der modernen Zeitmessung ein. Wahrscheinlich im 13. Jahrhundert wurde mit dem Bau der frühesten Räderuhren der Grundstein für die Geschichte der Uhrmacherkunst bis in die Gegenwart gelegt. Die meisten dieser Räderuhren wurden von schweren Gewichten angetrieben, die an starken Seilen hingen und dadurch das erste Rad des Werkes in Bewegung setzten, das dann den Lauf der anderen Räder gewährleistete. Als Voraussetzung für den Bau der Räderuhren diente die Spindelhemmung – die älteste Form der Hemmung. Die Ganggenauigkeit dieser ersten Räderuhren war jedoch nicht besonders groß.
Die Verwendung der Zugfeder für den Antrieb von Räderuhren war die entscheidende Voraussetzung für den Bau von kleinen Uhren. Urkunden aus mehreren Städten Italiens sprechen schon seit 1488 von der Anfertigung kleiner federgetriebener Uhren. Die erste bekannte tragbare Uhr – das Nürnberger Ei (1509) - stammt von Peter Henlein (1480-1542), der in Nürnberg wirkte. In Frankreich wurde ab dem 16. Jahrhunderts Blois zum Zentrum für die Herstellung von kleinen Uhren.
Christian Huygens entwickelt das Pendel und revolutioniert die Zeitmessung
Nach der Entwicklung der Räderuhren war die Verwendung des Pendels als Gangregler der bedeutendste Fortschritt in der Technik der Zeitmessung vor dem 20. Jahrhundert. Obwohl die Pendeluhr vom Prinzip her schon durch Galilei und da Vinci entwickelt worden war, gelang dem holländischen Mathematiker, Astronomen, Juristen und Diplomaten Christian Huygens Ende des Jahres 1656 die Konstruktion einer Uhr mit einem Pendel als Gangregler. Zugleich entwickelte er einen Zeitmesser, der eine bisher nicht gekannte Ganggenauigkeit aufwies. Diese neue Methode wurde bald von französischen und englischen Uhrmacher übernommen. Die Zeit der modernen Großuhrmacherei hatte begonnen.
In den Jahren um 1665 suchte Huygens auch nach technischen Verbesserungen für kleinere Uhren, um deren Ganggenauigkeit zu erhöhen. Er fügte dem herkömmlichen Gangregler eine Spiralfeder an, durch die sie eigenschwingungsfähig wurden – er erfand die Unruh. Seine Erfindung wurde sofort von den englischen, französischen, niederländischen und Genfer Handwerkern übernommen.
Huygens Verbesserungen zur Zuverlässigkeit von Zeitmessern stellten aber auch die entscheidenden Voraussetzungen für die fast serienmäßige Herstellung von Uhren dar. Er leitete eine neue Epoche in der Geschichte der tragbaren Uhren ein, die zweieinhalb Jahrhunderte dauerte und erst mit der Einbindung der Elektronik in die Uhrmacherei ihr Ende fand.
Revolutionäre und weitreichende technische Entwicklungen nach 1665
Der Geistliche und Mathematiker Edward Barlow baute um 1686 ein Repetierwerk auch für Taschenuhren, was den Nutzen dieser Uhr entscheidend erhöhte. Im Jahr 1695 konzipierte Thomas Tompion die Zylinderhemmung, die 1725 von seinem Mitarbeiter und späteren Geschäftsnachfolger George Graham vervollkommnet wurde.
Der Tischler und autodidaktische Uhrmacher John Harrison (1693-1776) gilt als Erfinder des Bi-Metall. Er kompensierte die Temperaturabhängigkeit der Pendel durch ein Gitter aus zwei Arten von Metallstäben mit unterschiedlicher Wärmeausdehnung – Stahl und Messing.
Um 1717 führten der Engländer Henry Sully und der berühmte französische Uhrmacher Julien Le Roy die Ölsenkung ein. Es handelt sich dabei um eine kleine Vertiefung in die die Lager eingesetzt wurden – quasi ein Rückhaltebecken für das Öl. Im gleichen Jahr wurde von Jean-Baptiste Dutertre berichtet, er habe eine Taschenuhr gebaut, deren Unruhschwingungen selbst dann gleich blieben, wenn man die Uhr heftig schüttle – es handelt sich dabei um die früheste Form der Duplexhemmung (= eine Spezialhemmung).
John Harrison stellte 1735 seine erste Schiffstaugliche Uhr (Marinechronometer) mit hoher Ganggenauigkeit vor. Seine Uhren ermöglichten erstmals präzise mechanische Zeitmessungen und damit die genaue Bestimmung des Längengrades auf hoher See. Sein 1759 vorgestellter 4. Chronometer - heute unter dem Namen H4 bekannt – zeigte auf einer 81-tägigen Fahrt von England nach Jamaika und zurück nur eine Gangabweichung von 5 Sekunden.
1757 erfindet der Engländer Thomas Mudge die freie Ankerhemmung, die als Schweizer Ankerhemmung weltweit bekannt wurde und bis in die Gegenwart verwendet wird. Es handelt sich dabei um eine nach der Form des Ankerrades benannte Hemmung für tragbare Uhren.
Von dem in Neuenburg tätigen Abraham-Louis Perrelet (1729-1826) weiß man, dass er bereits vor 1780 Taschenuhren mit funktionstüchtigen Automatikaufzügen gebaut hat. Er hatte damals auch schon den später für den Aufzug automatischer Armbanduhren verwendeten Rotor in einer seiner Uhren benutzt. Der in der Schweiz geborene Abraham-Louis Breguet (1747-1823) hatte diesen Selbstaufzug so weit verbessert, dass er wirklich zufriedenstellend arbeitete. Breguet nannte diese Uhr „perpetuelle“ oder „ewig gehende“ Uhr. 1780 verkaufte er die erste „perpetuelle“ an den Herzog von Orléans.
Abraham-Louis Breguet ist einer jener Meisteruhrmacher, dessen Erfindungen bedeutend zur Verbesserungen von mechanischen Uhren beitragen. Dazu zählen die Erfindung der Minutenrepetition (1783), des Sperrschlüssels (1789), der „pare-chute“ Stoßsicherung (1790), der Breguet-Spirale (1795), des Tourbillon-Regulators (1795) der Subskriptionsuhr, einer Uhr mit einem Zeiger, für die ein Viertel des Preises anbezahlt werden musste (1797), der Hemmung mit konstanter Kraft (1798), der Tastuhr (1799), des Observatoriums-Chronometers (1820) des Schlüssellosen Aufzugs (1830) um nur einige zu nennen. Weltruhm erlangte Breguet mit der Entwicklung des Tourbillons im Jahr 1795. 1801 erhielt er dafür das Patent. Der Tourbillon-Gangregler ist ein System zur Kompensation von Gangfehlern und Schwankungen. Die gesamte Hemmung wird dabei auf einer beweglichen Drehscheibe (oder einem Drehgestell) angebracht. Diese Scheibe dreht sich in einer gegebenen Zeitspanne (jede Minute, alle vier Minuten etc.) einmal um die eigene Achse.
1838 präsentierte Louis Audemars seine erste Taschenuhr mit Kronenaufzug.Die anerkannt beste Konstruktion und deshalb bis heute verwendete Konstruktion allerdings stammt von Jean Adrien Philippe, dem Partner von Norbert Antoine de Patek (Patek Philippe). Mehrheitlich wird diese Erfindung dem Jahr 1842 zugewiesen. Erwiesen ist jedoch, dass Philippe erst rund zwanzig Jahre später, im Jahr 1861 ein Patent auf seinen Kronenaufzug bekam. Der Kronenaufzug ermöglichte es jetzt auch, besonders Flache Werke und damit auch dünnere Uhren zu bauen.
Die Entwicklung der Uhrmacherei in Europa
In den Jahren nach 1500 wurde Nürnberg für die Herstellung von Halsuhren berühmt. Aber erst die Jahrzehnte um 1600 galten in Deutschland als die glanzvollste Zeit der deutschen Uhrmacherkunst, da diese auch vom Kaiser und vielen Fürsten gefördert wurde. Internationalen Ruhm erlangten die astronomischen Uhren, die von Johannes Keppler und Tycho de Brahe bei ihren Himmelsbeobachtungen benutzt wurden. In der Schweiz entwickelte sich die Region um Genf als erstes Zentrum der Uhrmacherkunst. Bereits 1601 wurde in Genf die erste Uhrmacherzunft gegründet. Im 18. Jahrhundert waren jedoch Paris und London die unbestrittenen Hochburgen der Uhrenproduktion. Technisch blieben bis in die 40-er Jahre des 18. Jahrhunderts die englischen Uhren führend. Ab der Mitte des Jahrhunderts begann jedoch der Ruhm der französischen Uhrmacher den aller anderen Länder zu überstrahlen.
Mitte des 18. Jahrhunderts wurde auch die Schweiz bei der Herstellung von Taschenuhren immer bedeutender – besonders Genf war berühmt für seine zuverlässigen Uhren, die billiger waren als die in Frankreich gebauten. Das höchste Ansehen in der Uhrmacherkunst erreichen die Schweizer Meister nach 1750, als die kleineren Manufakturen zusehends von fast industrieller Fertigung abgelöst wurden. Allein in Le Locle und La-Chaux-de-Fonds wurden 1756 15.000 Gold- und Silberuhren hergestellt. Während dieser Zeit (ab 1645) wurde der Gebrauch des Emails modern – französische und Genfer Künstler schmücken die Uhrengehäuse mit kunstvollen Emailmalereien. Die berühmtesten Emailmaler waren in Genf tätig.
Nach 1800 verloren die englischen Meister an Ansehen bei der Herstellung von Taschenuhren, konnten ihre Bedeutung jedoch im Bereich der Schiffs- und Taschenchronometer bis 1900 beibehalten. Zur gleichen Zeit – und im Folgenden bis in die Mitte des 20. Jahrhunderts – gelang es den Schweizer Uhrmachern, ihre Stellung weiter auszubauen; viele Firmen wurden gegründet. Die industrielle Uhrenfertigung in der Schweiz begann schrittweise in den 1850er Jahren, wurde dann aber zielstrebig uns sehr effektiv ausgebaut; neu entwickelte Maschinen ermöglichten eine genauere und billigere Massenherstellung der Taschenuhren. Diese Entwicklung verdrängte das handwerklich orientierte Verlagssystem. Als Folge waren 1870 in Genf 3.234, in Neuenburg 15.000 Personen in der Uhrenindustrie beschäftigt.
Ab 1845 gewann der Deutsche Uhrenbau vornehmlich durch Adolf Lange im sächsischen Glashütte neuen Ruhm. Als erster Uhrmacher benutzte Lange ausschließlich das metrische Maßsystem, baute Zehntelmaße und neuartige Mikrometer und legte so die Grundlagen für eine genauere, maßhaltige Herstellung der einzelnen Werkteile. Die ersten Taschenuhren mit Kronenaufzug wurden in Glashütte bereits ab 1850 gebaut. Die Gründung der Uhrmacherschule im Jahr 1878 unterstreicht die Bedeutung der Stadt für die Herstellung genauer und zuverlässiger Uhren.
Die Entwicklung der Armbanduhr
Getragen von der perfektionierten industriellen Massenproduktion hielt im 20. Jahrhundert der Zeitmesser für jedermann seinen Einzug, zunächst auch, später ausschließlich in Form der Armbanduhr. Die Existenz der Armbanduhr ist zur Selbstverständlichkeit geworden. Ihre Formen und Ausprägungen zeigen sie als typisches Produkt der modernen Industriegesellschaft.
Bei den an Armbändern befestigten Uhren aus der Zeit vor 1900 handelt es sich in aller Regel um Vorläufer der heutigen Armbanduhr in Form von Einzelstücken. Diese wurden meist auf Bestellung in ganz geringer Auflage gefertigt. Eine wesentliche Voraussetzung für die Entwicklung der tragbaren Uhren waren technische und handwerkliche Fortschritte, darunter die Erfindung der Zugfeder (im Frankreich des späten 15. Jahrhunderts), durch die erst tragbare Uhren produziert werden konnten. In Ermangelung präziser Chroniken muss bei der geschichtlichen Aufarbeitung der Uhren meist von „Jahrzehnten“ gesprochen werden.
Wirklich nachweisen lässt sich die Anfertigung einer Schmuckuhr fürs Handgelenk erst im Jahr 1790 durch eine entsprechende Eintragung in den Rechnungsbüchern der Genfer Uhrmacher Henri Louis Jaques-Droz und Jean Frédéric Leschot. Auch der französische Uhrmacher Nitot, der in seinem Atelier mit Schweizer Uhrmachern aus La Chaux-de-Fonds zusammenarbeitete, fertigte zwischen 1806 und 1814/15 für das Haus Napoleon Schmuckührchen an. 1812 lieferte das Haus Breguet eine Schmuckuhr für die Königin von Neapel; in den 30er Jahren des 19. Jahrhunderts folgten weitere Uhren fürs Handgelenk für die wohlhabenden Kunden. Weitere Aufzeichnungen über Armbanduhren findet man 1868 bei der Genfer Manufaktur Patek, Philippe & Co.
Die ersten vermutlich in größerer Serie gefertigten Armbanduhren fallen in die Zeit um 1880, als die Deutsche Kriegsmarine bei der Firma Constantin Girard-Perregaux an Armketten zu tragende Uhren für die Marine-Offiziere bestellte. Einschlägige Fachzeitschriften berichten ferner, dass in Luzern (Schweiz) um 1886 goldene und silberne Armbanduhren an Fremde, hauptsächlich an Amerikanerinnen, verkauft wurden. Auch andernorts ist davon die Rede, dass die Armbanduhr gerade bei den Damen der Gesellschaft aus modischen Erwägungen, schon vor der Jahrhundertwende beliebt war.
Ihre Bewährungsprobe hatte die Armbanduhr freilich in anderen Bereichen zu meistern – im Sport und im Krieg: Im Ersten Weltkrieg bestätigten sich positive Erfahrungen mit der Armbanduhr und in den kilometerlangen zentraleuropäischen Schützengräben erkannten die Soldaten aller Streitkräfte sehr schnell, dass es mitunter lebensrettend sein konnte, zum Ablesen der Uhrzeit nur auf das Handgelenk blicken und nicht die Taschenuhr umständlich aus dem Waffenrock zerren zu müssen. Eine Folge der militärischen Erfordernisse waren auch die Radium-Zifferblätter und –Zeiger, deren radioaktive Leuchtkraft auch bei Nacht das exakte Ablesen der Uhrzeit möglich machte. Weitere Zusatzfunktionen stellten Chronographen mit Telemeterskala dar, Armbanduhren mit eingebautem Kompass und solche mit zusätzlichem 24-Stunden-Zeiger zum Ablesen der Tag-und-Nacht-Zeit in dunklen Bunkern. Zu den Uhr-Interessierten Damen und den Militärs gesellte sich auch schon bald jene der sportbegeisterten Zeitgenossen, aus dem sich die frühen Fliegeruhren entwickelten.
Auch wenn die Liebe zur Armbanduhr anfangs als Verirrung der Damenwelt abgetan wurde, war der Siegeszug dieser bald nicht mehr aufzuhalten. Klare Fakten schaffen diesbezüglich meist immer die Statistiken: während im Jahre 1925 die Armbanduhr gegenüber der Taschenuhr einen Markanteil von 35 % hatte, war dieser 1934 bereits auf 65 % angestiegen. Ebenfalls ausschlaggebend für die Akzeptanz der Armbanduhr war die Erfindung und Vervollkommnung der wasser- und staubdichten Armbanduhr, die Entwicklung wirkungsvoller Stoßsicherungssysteme sowie die steigende Akzeptanz des automatischen Aufzugs. In diesem Zusammenhang ist auch der englische Uhrmacher John Harwood zu nennen, der 1924 das Patent für die legendäre Automatikuhr ohne Krone anmeldete und als Erfinder der industriell hergestellten, automatischen Armbanduhr gilt.
Das Bemühen um die „perfekte“ Armbanduhr für die unterschiedlichen Anforderungen des täglichen Lebens führte zwischen den 30er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts zu einer Blütezeit der Uhrenindustrie. Dabei zeigte sich auch immer wieder, dass der Armbanduhr von ihrem äußerst breit gefächerten Benutzerkreis eine höchst unterschiedliche Bedeutung beigemessen wurde: als Gebrauchsgegenstand, zweckorientiertes Hilfsmittel, „Freund“ am Handgelenk, modisches Accessoire oder kostbares Statussymbol zeigte sie über die Jahrzehnte hinweg ihre Vielseitigkeit. Die fünfziger Jahre markierten aber auch den Ausgangspunkt einer Entwicklung, die der mechanischen Armbanduhr später noch sehr zusetzen sollte – die elektromechanischen und elektronischen Werke, von denen man sich eine größere Ganggenauigkeit erwartete.
Der Quarz, mit exakt 32 768 Hz schwingend, machte sich ab 1970 zunehmend in den Armbanduhren breit. Dem hatten die mechanischen Uhrwerke wenig entgegenzusetzen. LED-Uhren hatten zwischen 1972 und 1978 ihre Blüte und wurden dann schnell von LCD-Uhren (Liquid Crystal Display) abgelöst. Gegen Ende der siebziger Jahre glaubten daher nur noch wenige Zeitgenossen an die Zukunft der mechanischen Uhr; die Schweizer Uhrenindustrie steckte in der Krise und konnte den Billig-Produkten aus Asien wenig entgegenhalten. Erst die Neustrukturierung vieler Schweizer Uhrenmarken und die „Erfindung“ der Swatch im Jahr 1983 gaben der Uhrenindustrie neue Impulse.
In diesen Tagen kam es aber auch zur Rückbesinnung auf traditionelle Werte. Immer mehr Manufakturen widmeten sich der Entwicklung neuer, verbesserter mechanischer Werke und führten somit eine Renaissance der mechanischen Uhr herbei, die bis heute anhält und immer wieder zahlreiche Meisterwerke uhrmacherischer Feinmechanik hervorbringt.
Diese Auflistung gibt ausgewählte Aspekte der Entwicklung der Uhrmacherei in Bezug auf tragbare Uhren (Taschen- und Armbanduhren) wieder, erhebt jedoch keinerlei Anspruch auf Vollständigkeit.



