(Z) Interview mit Jerome Lambert, CEO von Jaeger-LeCoultre

Portrait Jerome Lambert Dez 2010

Interview mit Jerome Lambert

Die neue Rubrik „Interviews“ eröffnet gleich eine der bekanntesten Persönlichkeiten der Schweizer Uhrenindustrie, der CEO von
Jaeger-LeCoultre, Jerome Lambert.

Der vorbereitete Fragenkatalog, der auch bei allen folgenden Interviews zum Einsatz kommt, wurde ausführlich erörtert, weshalb in diesem Beitrag nur die Quintessenz der Antworten wiedergegeben wird.

Die Fragen wurden so zusammengestellt, dass sich dem Leser ein übersichtliches - und vergleichbares- Bild des jeweiligen Herstellers darstellt. Die Kompetenzen und Intentionen der Entwicklung sowie Zukunftsperspektiven sollen dabei beleuchtet werden.


Einleitend zum Interview ein beinah philosophisches Zitat daraus, das nicht nur auf die Uhrmacherei anzuwenden ist:

„...Man muss aussuchen, was man kontrolliert, sonst kontrolliert man am Ende nichts...“
(Jerome Lambert)


Zeiteisen:
„Herr Lambert, worin definiert sich für Sie persönlich die Qualität einer Uhr?“


Jerome Lambert:
„Zur Beurteilung einer Uhr dienen mir mehrere Kriterien, die sich teils auf den ersten Blick, teils auch erst nach einigen Jahren der Benützung erschließen.

Vordergründig spielt natürlich die augenscheinliche Verarbeitung, die Ausführung von Gehäuse und Zifferblatt eine Rolle.

Hier lege ich höchste Maßstäbe an.

Gleiches gilt für die Ausführung des Uhrwerks, sowohl konstruktiv als auch hinsichtlich der Finissage.
Die Finissage unserer Uhrwerke liegt daher auch in jeder Klasse über dem Durchschnitt.

Ein Kriterium, das sich oft erst nach Jahren oder Jahrzehnten erschließt, ist die Qualität des Designs.
Alle unsere Modelle zeichnen sich durch ein hohe Designqualität aus, wie beispielsweise die
Reverso, die zur Zeit gerade ihr 80jähriges Jubiläum feiert.

Ebenfalls Langzeitkriterien sind die Zuverlässigkeit und Reparierbarkeit einer Uhr.

Auch hier liegen unsere Modelle im Spitzenfeld.“


Zeiteisen:
„Welche Maßnahmen werden von Jaeger-LeCoultre getroffen, um die Qualität der Produkte zu sichern, bzw. zu erhöhen?“


Jerome Lambert:
„Die Qualitätsoptimierung beginnt bereits vor Produktionsbeginn einer Uhr bei der Planung jedes Details- und einer umfangreichen Vorbeurteilung der technischen und optischen Eigenschaften der Entwürfe.

Jedes Einzelteil wird auf das Modell genau abgestimmt- und mehrfach im Vorfeld hinsichtlich Funktion und Ausführung diskutiert.

Das betrifft nicht nur das Design an sich, sondern auch -nur scheinbar- unwichtige Details, wie die Abstimmung der Öle für das Uhrwerk (die für jedes Werk eigens hergestellt werden).

Zur Sicherung der Qualität in der Produktion dient seit rund 20 Jahren der
1000 Stunden Test, oder, bei einzelnen Modellen, zusätzlich der 1000 Stunden Chrono-Test.

Überdies unterhalten wir ein eigenes Labor zur Produktkontrolle. In der Qualitätssicherung sind 60 Personen beschäftigt.



Zeiteisen:
„Wie hoch ist der Anteil an Eigenfertigung und welche Teile müssen zugekauft, oder im Auftrag von Drittanbietern produziert werden?“


Jerome Lambert:
„Der Anteil der Eigenfertigung liegt bei über 90%. Lediglich Gläser oder das Leder der Armbänder müssen zugekauft werden.
Auch die Komponenten unserer Hemmung, die sich von bekannten Systemen unterscheidet, werden im Haus gefertigt.“



Zeiteisen:
„Wo sehen Sie die Kernkompetenz von Jaeger-LeCoultre?“


Jerome Lambert:
„Die Kernkompetenz des Unternehmens liegt vor allem in der Innovationskraft.
Jaeger-LeCoultre wurde dafür auch 5 Mal von Chronos mit dem Preis für Innovation ausgezeichnet.

Wir suchen ständig nach Verbesserungen und neuen Ideen für die Verwirklichung hochwertiger Uhren und deren technischer Perfektionierung, wo auch neue Wege beschritten werden. Ein gutes Beispiel dafür sind die Uhren der
Extrem Lab-Serie.“


Zeiteisen:
„Welchen Stellenwert hat der Kundendienst?“


Jerome Lambert:
„Der Kundendienst genießt natürlich eine hohe Priorität. Die Zufriedenheit des Kunden ist letztlich ebenso ein Qualitätsfaktor unserer Produkte.
Um den bekannt hohen Level zu halten, beschäftigen wir 150 Uhrmacher und arbeiten an der ständigen Weiterentwicklung der Servicequalität.

Zudem sind unsere Uhren dauerhaft reparabel.“


Zeiteisen:
„Wo sehen Sie das größte Entwicklungspotential bei mechanischen Uhrwerken in der Zukunft?“


Jerome Lambert:
„Das größte Potential liegt wohl in der Suche neuer Lösungen für bestehende Funktionen.

Auch die traditionelle Uhrmacherei unterliegt dem Wandel der Technik. Neue Materialien oder Produktionsmethoden ermöglichen so andere/bessere Konstruktionsmöglichkeiten.

Auf Basis neuer Techniken wurden Uhrwerke, wie das
Gyrotourbillon oder das Kaliber 182 erst möglich.“


Zeiteisen:
„Was war oder ist das herausragendste Uhrwerk der umfangreichen Kaliberpalette von Jaeger-LeCoultre?“


Jerome Lambert:
„Die Grande Sonnerie, also das Kaliber 182.
Dieses hochkomplexe Uhrwerk aus 1300 Einzelteilen mit 26 Funktionen ist eine absolut einmalige Leistung der Uhrmacherei und Zeugnis unserer Kompetenz.

Würde man dieses Werk in Bezug zu bekannten Dimensionen setzen wollen, so wäre ein einfaches Uhrwerk ein Haus, ein Gyrotourbillon eine Stadt und die Grande Sonnerie ein ganzes Land.“



Zeiteisen:
„Wie viele Hersteller greifen auf die Kompetenzen von Jaeger-LeCoultre zurück?“


Jerome Lambert:
„Derzeit beliefern wir noch 5 weitere Hersteller.
Um unsere Kapazitäten für Eigenproduktionen zu erhöhen, werden wir jedoch in den kommenden 3 Jahren sämtliche Lieferungen für Fremdhersteller einstellen.“


Zeiteisen:
„Was sind die kommenden Hauptprojekte von Jaeger-LeCoultre?“


Jerome Lambert:
„Unsere Ziele sind eine Steigerung der Innovationskraft, die noch weiter führende Ausbildung unseres Personals und .....vor allem.......das „Schaffen von Neuem“....“


Zeiteisen:
„Zum Abschluss eine persönliche Frage: Welche Uhren tragen Sie selbst, oder an welchen Uhren hängt Ihr Herz besonders?“


Jerome Lambert:
„Momentan trage ich, wie Sie sehen, eine Grande Reverso Ultra Thin.

Jeweils bei Einführung einer Kollektion trage ich die neuen Uhren abwechselnd ein paar Tage- und suche mir für den Rest des Jahres die mir am meisten liegenden Modelle aus.

Ganz besonders in Ehren halte ich jedoch die Taschenuhren meiner Urgroßmutter.
Sie war zu Beginn des 20. Jahrhunderts Bahnhofsvorsteherin und benützte die Uhren zur Kontrolle der Züge.“


Zeiteisen:
„Vielen Dank für das Gespräch!“